hochbegabung


Hochbegabung zeigt sich in vielen verschiedenen Facetten und auf vielen Gebieten:

überdurchschnittliche geistig / intellektuelle, künstlerisch / kreative, musische, sportliche oder emotionale Fähigkeiten. Häufig gibt es eine Kombination von verschiedenen Talenten, immer ist es ein MEHR an Denken, Wahrnehmen und Fühlen.

Besonders Begabte haben eine hohe Auffassungsgabe, lernen schnell und haben eine sehr gute Merkfähigkeit. Sie denken komplex und vernetzt. Sie zeichnet ein hoher Gerechtigkeitssinn und ein reiches Innenleben aus, aber auch ein oft hinderlicher Perfektionismus.

Anzeichen hierfür zeigen sich meistens schon bei Kindern und bleiben (natürlich) auch im Erwachsenenalter bestehen.

Die folgenden Fragen geben einen ersten Hinweis darauf, ob Sie evtl. besonders begabt sind:

  • Ich bin „chronisch neugierig“ und habe viele Interessen
  • Ich verstehe manchmal nicht, dass andere Menschen mich nicht verstehen
  • Einige Bereiche unterfordern mich, bei einfachen Aufgaben habe ich aber Schwierigkeiten
  • Ich habe ein Studium und/oder eine Promotion abgeschlossen
  • Alltagsroutine löst Widerstand bei mir aus
  • Trotz aller Fähigkeiten und Erfolge überfallen mich immer wieder starke Selbstzweifel
  • schon als Kind habe ich mich gerne mit philosophischen und abstrakten Fragen beschäftigt
  • In der Schule war ich nur Mittelmaß oder ausnehmend schlecht
  • Ich kenne starke Stimmungsschwankungen und Gefühlsausbrüche
  • Ich habe ein hohes Lerntempo und es fällt mir leicht, mir Neues zu erschließen
  • Meine Bildungs- / Berufsbiografie hat Brüche
  • Ideenvielfalt/originelle Lösungsideen, Kreativität, Freude am eigenständigen Weiterentwickeln von Gedanken gehören zu mir
  • Ich kann mich häufig nur schwer entscheiden, neige zu Perfektionismus
  • Autoritäten und Normen werden hinterfragt, meine Individualität ist mir sehr wichtig
  • Ich wurde früher von anderen gemobbt oder werde es heute noch
  • Smalltalk strengt mich an; ich fühle mich dann manchmal „wie von einem anderen Stern“
  • bei einem oder mehreren meiner Kinder ist eine Hochbegabung festgestellt worden

 

Im Internet gibt es etliche Tests, die aber eher als „Spieltests“ oder Knobeleien gelten können. Genauen Aufschluss kann nur ein wissenschaftlicher Test ergeben, der als Einzeltest bei niedergelassenen Psychologen oder als Gruppentest bei MENSA e.V. durchgeführt wird. Ab einem gemessenen IQ von mehr als 130 Punkten gilt man als hochbegabt.

Ein solcher Test bildet aber nur einen kleineren Teil des Phänomens Hochbegabung wieder. Künstlerische, soziale und emotionale Fähigkeiten werden nicht erfasst.

Wozu sollte ich mich dann überhaupt testen lassen?

Wenn man im Beruf erfolgreich und zufrieden ist, erfüllende soziale Kontakte hat und seine Begabungen gut umsetzen kann, erübrigt sich diese Frage natürlich. Es gibt viele Hochbegabte, bei denen das Wissen um das eigene Potenzial und die äußeren Gegebenheiten gut zusammen passen.

Häufig ist es aber auch anders. Nicht erkannte Begabungen, gleich ob es sich um eine Hochbegabung oder um eine überdurchschnittliche Begabung handelt, kann zu erheblichen Selbstzweifeln und Versagensängsten führen. Denn viele Hochbegabte bekommen von klein auf gesagt, sie seien zu schnell, zu vorlaut, zu neugierig, zu laut, besserwisserisch und „zu viel“. Sie fühlen sich irgendwie „anders“, können sich das aber nicht erklären. Wird das Energiepotenzial ihrer Begabungen nicht genutzt, sucht es sich anderweitige Kanäle oder will gedämpft werden. Dies kann zu Suchtverhalten, aber auch Depressionen und anderen körperlichen und seelischen Störungen führen.

Viele Menschen erfahren erst im Erwachsenenalter von ihren besonderen Begabungen, zB wenn ihre Kinder getestet wurden oder bei der Ursachenforschung nach einem Burnout. Die Erkenntnis der eigenen Hochbegabung kann wie ein Erdrutsch wirken! Sie stellt vorherige Gewissheiten und Selbstbilder in Frage, kann aber auch sehr befreiend wirken. Denn es gibt endlich eine Erklärung für all die Erfahrungen, die man vorher nicht einordnen konnte.

Es lohnt sich daher unbedingt, sich mit dem Phänomen der Hochbegabung zu befassen, wenn wir vermuten selbst „betroffen“ zu sein. Einen ersten Zugang kann man leicht über den Vergleich von Lebensgeschichten und Gewohnheiten Hochbegabter finden, zu lesen in entsprechenden Büchern oder im Internet.

Die eigene überdurchschnittliche oder Hochbegabung anzuerkennen und ins eigene Leben zu integrieren ist ein wichtiger Schritt zu mehr Selbstliebe und Einklang mit uns selbst!

 

 

 

Zum Weiterlesen:

Andrea Brackmann: „Ganz normal hochbegabt – Leben als hochbegabter Erwachsener“

Katharina Fietze: „Kluge Mädchen. Frauen entdecken ihre Hochbegabung“

Andrea Schwiebert: „Kluge Köpfe, krumme Wege? Wie Hochbegabte den passenden Berufsweg finden“