trennung


 

Jeder Erwachsene hat schon mindestens eine Trennung hinter sich, ob unfreiwillig oder gewollt. Manchmal sind wir die Aktiven, die eine Trennung forcieren und manchmal geschieht es uns, wir werden verlassen.

Trennungen sind immer mit Schmerz und Verzweiflung verbunden, denn ein Traum geht zu Ende, die Verliebtheit ist vorbei, es gibt keine Chance auf positive Veränderung mehr. Dabei ist es egal, ob man selbst die Trennung möchte oder sie uns präsentiert wird. Und allzu oft sind noch mehr Menschen beteiligt, als mein(e) Partner(in) und ich, gemeinsame Kinder, aber auch für(Schwieger-)eltern und Freunde verändert sich viel.

Jede Trennung verletzt und jede Trennung hat ihre Phasen, die gerne übersehen werden, wenn der Trenungsprozess bereits im Gang ist. Und es ist wichtig, keine dieser Phasen auszulassen, um nach einer Trennung gut weiterleben zu können.

 

Verleugnung

Zuerst ist man geschockt, völlig aus der Normalität gerissen. Es kann doch nicht wahr sein, dass die Beziehung zu Ende sein soll! Man hofft, aus einem schlechten Traum aufzuwachen und weigert sich, das Ende als Fakt und harte Realität zu akzeptieren. Man appelliert an die Liebe des Partners, verspricht alles besser zu machen und hofft, so den Partner umstimmen zu können.

Betroffene befinden sich in einer Art Schockstarre, manche isolieren sich aus ihrem Umfeld. Man fühlt sich leer, die Gedanken drehen sich im Kreis, man ist voller Selbstzweifel und Zukunftsängste.

Körperlich äußert sich das häufig in Appetitlosigkeit, man kann nicht mehr einschlafen, wacht mitten in der Nacht mit Ängsten und voller Trauer auf. In diesem Zustand der Ohnmacht und Orientierungslosigkeit denkt man, das Leben sei nur noch ein einziger Scherbenhaufen, unvorstellbar, dass es je wieder besser wird oder man gar wieder Lebenslust empfinden wird!

 

Gefühlschaos

Dann begreift man langsam, dass die Trennung endgültig ist. Und nun brechen die Gefühle so richtig auf: Trauer, Wut, Eifersucht, Rachegelüste, Ohnmacht, Verzweiflung, Einsamkeit und auch Schuldgefühle. Alles durcheinander oder nacheinander und wieder von vorne …!

Häufig wird auch diese Phase von heftigen körperlichen Symptomen begleitet, wie Kopf- und Magenschmerzen, Appetitlosigkeit, Ein- und Durchschlafstörungen, Herzrasen.

Gerade jetzt ist es wichtig, sich mitzuteilen und Unterstützung zu holen, bei Freunden, der Familie, und im professionellen Umfeld (zB Ärztin, Therapeut, Coach). Auch wenn man sich am liebsten verkriechen möchten, hilft reden und guter Schlaf, die Verarbeitung zu fördern.

Auch Auszeiten sind gut und wichtig. Der Trauerprozess braucht Zeit und kostet viel seelische Energie! Lassen Sie es zu …

Es kann zusätzlich hilfreich sein, regelmäßig Tagebuch zu schreiben. Selbst wenn Sie das sonst nicht tun, lohnt es sich, damit jetzt anzufangen: in ein schönes Heft, nur für sich selbst, zu bestimmten Zeiten, an einem angenehmen Ort. Hier findet alle Trauer und Wut und Anklage einen Platz, den nur Sie lesen. Auch „Briefe“ an den Partner können geschrieben, nicht unbedingt auch abgeschickt werden.

 

Neuorientierung

Und langsam wird es doch besser, auch wenn es zunächst unmöglich schien. Die Talsohle ist überwunden, die Gedanke kreisen nicht mehr ständig um die Trennung und die verlorene Beziehung. Die heftigen Gefühle scheinen überwunden zu sein.

Man beschäftigt sich wieder mit anderen Dingen, nimmt aktiv am Leben teil und probiert vielleicht sogar Neues aus, was früher undenkbar oder mit dem Partner unmöglich war.

Aber Vorsicht: es kann immer wieder Rückschläge geben! Gerade wenn eine Beziehung lange gedauert hat oder gemeinsame Kinder da sind, braucht es mehr Zeit, um die Trennung zu verarbeiten. Es gibt so viele Erinnerungen oder Anlässe, die die Wunde immer wieder aufreißen …

Neue Balance

Eines Tages haben wir die Trennung akzeptiert und können uns emotional vom Partner lösen. Man kann mit neuem Blick auf die vergangene Beziehung schauen, den eigenen Anteil reflektieren und ohne Schmerz an die schönen Seiten denken.

Wir blicken auf die eigenen Bedürfnisse, die vielleicht in der Vergangenheit nicht genug gelebt werden konnten, kümmern uns um unser Wohlbefinden und genießen die neue Eigenständigkeit. Häufig kehrt auch unser Selbstwertgefühl gestärkt aus der Krise auf. Und schließlich erscheint sogar eine neue Beziehung wieder möglich und wünschenswert!

Diese Phasen durchlebt man genauso, wenn auch nicht so heftig, wenn man selbst die Trennung möchte. Denn auch dann gibt es die Trauer und Verzweiflung um verpasste Chancen. Vielleicht überwältigen uns auch Schuldfühle wegen dem, was wir unserem Partner (und der Familie) antun, sehen aber dennoch keine andere Möglichkeit. Als „aktiv Trennender“ ist man häufig isolierter, da man oft nicht auf das Mitgefühl oder die moralische Anteilnahme der Anderen rechnen kann. Umso wichtiger ist es, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.